Valentin Zeller und Radkollege Norbert Schmidsberger nahmen am 24-Stunden Mountainbike-Rennen in Tauplitz teil. Aus einem 2er-Team wurde ungewollt ein „Ein-Mann-Team“.
Dichte Regenwolken lagen über Tauplitz, als der Startschuss am Samstag, den 29. August um 13 Uhr für das 24 Stunden Mountainbike Rennen fiel. Valentin Zeller, der sich nach diesem Wettkampf eine längere Auszeit gönnen wird, nahm den Bewerb im 2er-Team mit Radkollegen Norbert Schmidsberger vom RSC ÖAMTC Bikestation Bad Ischl in Angriff. Niemand konnte ahnen, was gut sechs Stunden später passieren würde.
Ein Köpfler mit Folgen …
Die ersten sechseinhalb Stunden verliefen für das Team aus Oberösterreich sehr gut. Nach einem starken Start übernahmen sie gleichzeitig auch die Gesamtführung aller teilnehmenden Starter und Teams und gaben sie vorerst auch nicht aus der Hand. Doch das Schicksal soll schließlich ein Wörtchen mitzureden haben. Gegen 19.30 Uhr war gerade wieder Norbert Schmidsberger auf der Strecke, als er auf einer selektiven Abfahrt durch die schlechten Streckenverhältnisse einen folgenschweren Sturz baute.
Schmidsberger holte sich eine so starke Prellung an Schulter und Oberarm, dass er nur noch unter großen Schmerzen in die Wechselzone kam und direkt den Weg in die Erste Hilfe Station suchte. Während Zeller sofort wieder auf die Strecke ging, wurde Schmidsberger ins Krankenhaus gebracht, wo der gesamte linke Arm ruhig gestellt werden musste. Das bedeutete: Aus für Schmidsberger – nicht nur für Tauplitz sondern auch für die restliche Saison.
Zeller kämpft weiter – bis ins Ziel
Valentin Zeller lies sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen sondern spulte weiter Runde für Runde und Kilometer für Kilometer runter. Die Nacht verlief ohne größere Probleme und der 32-Jährige gönnte sich nur kurze Pausen. Um 13 Uhr wurde die letzte Runde eingeläutet und so kam Valentin Zeller mit insgesamt 113 gefahrenen Runden (rund 429 km) im „2er-Team-Gepäck“ (89 Runden Zeller, 24 Runden Schmidsberger) ins Ziel.
„Aufhören kam für mich nicht in Frage, weil wir Beide unser bestes gegeben haben – und Team bleibt Team“, so Zeller. „Es war bitter“, so Schmidsberger, „auf diese Art und Weise aus dem Rennen auszusteigen“, aber ich freu mich sehr, dass Vali einfach reingebissen hat und wir in der 2er-Temwertung ins Ziel gekommen sind. Zeller: „Es war trotz allen Umständen ein wohlverdienter Abschluss. Für Norbert hoffe ich, dass er bald wieder gesund wird – ich selbst freu mich jetzt auf die Pause – und natürlich auf die Geburt meines Sohnes.“
Rückblick – Highlights und bittere Enttäuschungen
Seit 2004 hat sich Valentin Zeller auf Extrembewerbe im Radsport spezialisiert. Erste Plätze bei der Ultra-Radmarathon WM im Jahr 2004, beim Race Across The Alps (Tirol 2004), bei 24-Stunden Mountainbike-Rennen in Italien (2005), Steiermark (2005) und Oberösterreich (2007), beim 24h Indoor Mountainbike Rennen in Freistadt (2007, 2008), der Weltrekord im 24h Höhenmeter-Fahren (2007), der Vize-Weltmeistertitel beim Glocknerman (2008), sind nur einige seiner Erfolge.
Sein wohl auch persönlich größter Erfolg ist aber der 5. Platz beim härtesten Rennen der Welt – dem Race Across America im Jahr 2005 (und das gleich bei der ersten Teilnahme!).
Aber auch bittere Enttäuschungen musste Zeller hinnehmen, wie z.B. den Abbruch bei der Le Tour Ultime (2007) als Führender auf Grund einer Lungenentzündung oder auch den Abbruch eines weiteren Höhenmeter-Weltrekordversuches (2008) auf Grund von Regen, obwohl er auf Weltrekordkurs war. „Doch genau das ist auch das Faszinierende am Sport“ blickt Zeller auf seine Aktivitäten zurück.
Beitrag vom 30.08.2009
Von: Birgit Morelli